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Kleine Parteien, großer Auftritt

Aachener Zeitung - Nordkreis
16.09.2017, Lokales, Seite 22

Bei der Wahl am Weiterbildungskolleg der Städteregion haben Gabi Halili und die Linken bei Erst- und Zweitstimme die Nase vorn. Auch Alexander Tietz-Latza kommt gut an. Speed-Dating mit Kleingruppen.

VON YANNICK LONGERICH

Würselen. Dieses Ergebnis hatte es in sich: Als die Stimmverteilung der zweiten „Probewahl“ auf der Leinwand aufleuchtete, ging ein Raunen durch den Saal. Unter den Schülern des Weiterbildungskollegs (WBK) der Städteregion in Würselen hatte sich Gabi Halili von der Linkspartei als Siegerin hervorgetan. 40 Prozent der Erststimmen entfielen auf sie. Auch bei den Zweitstimmen war die Linke das Maß aller Dinge mit knapp über 35 Prozent. Die CDU verfehlte hier mit 4,9 Prozent sogar den Einzug ins Parlament.

Natürlich hat dieses überraschende Ergebnis keinerlei repräsentativen Wert. Und doch zeichnete es ein interessantes Stimmungsbild der teilnehmenden Schüler am Ende des „Speed-Dating“, das Dr. Telse Hartmann, Studienrätin für Deutsch, Geschichte und Sozialwissenschaften, in Kooperation mit dem WBK-Förderverein initiiert hatte.

Zusammen mit ihrem Team hatte Laura Vollmann, Bildungsreferentin des Vereins zur Förderung politischen Handelns (VFH), die Schüler während eines zweitägigen Projektes auf das Zusammentreffen mit den Bundestagskandidaten des Wahlkreises Aachen II vorbereitet. Unter anderem wurden Koalitionsverhandlungen nach einer fiktiven Bundestagswahl geführt, in denen die Schüler auf Grundlage der Parteiprogramme über künftige Bündnisse verhandeln sollten.

„Viele unserer Schüler befinden sich auf dem sogenannten zweiten Bildungsweg. Das heißt natürlich auch, dass Fragen nach sozialer Gerechtigkeit für sie von hoher Bedeutung sind.“

DR. Telse Hartmann,

Studienrätin
Der kommissarische Leiter des WBK, Matthias Herrmann, zeigte sich erfreut ob des regen Zuspruches unter den Schülern für das Projekt. Auch das Interesse der Direktkandidaten, die größtenteils der Einladung gefolgt waren, wurde mit Freude zur Kenntnis genommen. Helmut Brandt trat für die CDU an, Gabi Halili für die Linken, Frank Schniske für die FDP und Alexander Tietz-Latza für die Grünen. Claudia Moll (SPD) wurde wegen einer terminlichen Überschneidung vom Juso-Vorsitzenden Max Zitzen vertreten.

Fünf Kleingruppen aus jeweils zehn Schülern erwarteten die Kandidaten in ihren Klassenräumen. 15 Minuten verbrachte ein Kandidat bei jeder Gruppe. Während Tietz-Latza mehrheitlich Fragen zum Thema Umweltschutz und Tihange-Problematik gestellt wurden, lag der Fokus bei Zitzen und Halili auf soziale Aspekten. Die Linken-Kandidatin konnte hierbei am meisten punkten: „kompetent, sympathisch und überzeugend“, befanden zahlreiche Schüler.

Brandt überzeugt Schüler nicht

Frank Schniske wurden vorwiegend Fragen zur freien Marktwirtschaft gestellt. Zwar konnte sich der Liberale gut verkaufen, seine Ansichten überzeugten die Fragenden aber offenbar kaum. Noch weniger Zustimmung erntete der Bundestagsabgeordnete Helmut Brandt. Sowohl bei Fragen zur inneren Sicherheit als auch zur sozialen Ungerechtigkeit sei er „zu ausweichend“ gewesen, fiel das Urteil vieler Schüler wenig positiv aus. Mit seiner Art habe er nicht überzeugt und sich stattdessen zu sehr in Floskeln verheddert.

Laut Telse Hartmann sei es durchaus zu erwarten gewesen, dass CDU und FDP am WBK einen schweren Stand haben würden. „Viele unserer Schüler befinden sich auf dem sogenannten zweiten Bildungsweg. Das heißt natürlich, dass Fragen nach sozialer Gerechtigkeit für sie von hoher Bedeutung sind.“ Zur Wahl gehen werden die jungen Leute am nächsten Wochenende alle, versicherten sie. Ob das Ergebnis dann ähnlich ausfallen wird, bleibt abzuwarten . . .

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